Eine Wechselwirkung entsteht, wenn ein Arzneimittel die Wirkung oder Verarbeitung eines anderen Mittels verändert. Dadurch kann eine Behandlung schwächer wirken, Nebenwirkungen können zunehmen oder neue Risiken entstehen. Wechselwirkungen sind nicht auf verschreibungspflichtige Medikamente beschränkt: Auch rezeptfreie Präparate, pflanzliche Produkte, Nahrungsergänzungsmittel, Alkohol und Freizeitdrogen können beteiligt sein.
Wie entstehen Wechselwirkungen?
Arzneimittel können sich an unterschiedlichen Stellen beeinflussen. Ein Mittel kann beispielsweise die Aufnahme eines anderen Wirkstoffs im Darm verändern, seinen Abbau in der Leber beschleunigen oder verlangsamen oder dieselbe Wirkung im Körper verstärken. Entscheidend sind Wirkstoff, Dosis, Einnahmezeitpunkt, Gesundheitszustand und individuelle Empfindlichkeit.
Eine mögliche Wechselwirkung bedeutet nicht automatisch, dass zwei Medikamente niemals gemeinsam angewendet werden dürfen. Manchmal reicht ein zeitlicher Abstand, eine Dosisanpassung oder eine engere Kontrolle. Diese Entscheidung gehört jedoch in ärztliche oder pharmazeutische Hände.
Besonders wichtig bei PDE-5-Hemmern
PDE-5-Hemmer wie Sildenafil oder Tadalafil dürfen nicht mit Nitraten beziehungsweise Stickstoffmonoxid-Donatoren kombiniert werden. Dazu gehören bestimmte Arzneimittel gegen Angina pectoris sowie sogenannte Poppers. Der Blutdruck kann gefährlich abfallen. Auch die Kombination mit Riociguat ist kontraindiziert.
Weitere Medikamente können Konzentration und Wirkung von PDE-5-Hemmern verändern. Dazu zählen je nach Wirkstoff beispielsweise bestimmte Mittel gegen Pilzinfektionen, HIV, bakterielle Infektionen, Epilepsie oder Bluthochdruck. Maßgeblich ist immer die aktuelle Fach- und Gebrauchsinformation des konkreten Präparats.
Eine vollständige Medikamentenliste schützt
Informieren Sie Arztpraxis und Apotheke über:
- alle regelmäßig und gelegentlich verwendeten Medikamente;
- rezeptfreie Schmerz-, Erkältungs- und Allergiemittel;
- pflanzliche Präparate und Nahrungsergänzungsmittel;
- Alkohol, Poppers und andere Freizeitdrogen;
- bekannte Leber-, Nieren- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen;
- frühere ungewöhnliche Reaktionen auf Medikamente.
Notieren Sie Wirkstoff, Stärke und Einnahmehäufigkeit oder bringen Sie die Packungen zum Termin mit. Handelsnamen allein können verwirren, weil unterschiedliche Produkte denselben Wirkstoff enthalten können.
Medikamente nicht eigenmächtig verändern
Setzen Sie verordnete Arzneimittel nicht selbst ab und verändern Sie keine Dosis, nur weil Sie von einer möglichen Wechselwirkung gelesen haben. Ein plötzliches Absetzen kann ebenfalls gefährlich sein. Bei Unsicherheit sollte vor der nächsten Einnahme eine Apotheke oder die behandelnde Praxis kontaktiert werden. Bei akuten schweren Beschwerden gilt der Notruf 112.
Online-Prüfprogramme können Hinweise liefern, ersetzen aber keine individuelle Beurteilung und kennen möglicherweise nicht alle Erkrankungen, Dosierungen oder aktuellen Fachinformationen.
Quellen
- European Medicines Agency: Viagra, https://www.ema.europa.eu/en/medicines/human/EPAR/viagra
- European Medicines Agency: Cialis, https://www.ema.europa.eu/en/medicines/human/EPAR/cialis
- European Association of Urology: Management of Erectile Dysfunction, https://uroweb.org/guidelines/sexual-and-reproductive-health/chapter/management-of-erectile-dysfunction
