Erektionsstörungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen können miteinander zusammenhängen. Für eine Erektion müssen Blutgefäße und Kreislauf ausreichend funktionieren. Gleichzeitig beeinflussen PDE-5-Hemmer wie Sildenafil und Tadalafil die Gefäße. Deshalb sollte vor der Anwendung geprüft werden, ob sexuelle Aktivität und das jeweilige Medikament aus kardiologischer Sicht vertretbar sind.
Warum Erektionsprobleme ein Warnsignal sein können
Gefäßveränderungen können sich auch an den vergleichsweise kleinen Gefäßen des Penis bemerkbar machen. Die Leitlinie der European Association of Urology beschreibt einen Zusammenhang zwischen erektiler Dysfunktion und Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes, erhöhten Blutfetten, Übergewicht, Rauchen und Bewegungsmangel.
Das bedeutet nicht, dass jeder Mann mit Erektionsproblemen herzkrank ist. Wiederkehrende Beschwerden bieten aber einen Anlass, Blutdruck und persönliche Herz-Kreislauf-Risikofaktoren ärztlich überprüfen zu lassen.
PDE-5-Hemmer und Nitrate: gefährliche Kombination
Sildenafil, Tadalafil und andere PDE-5-Hemmer dürfen nicht mit organischen Nitraten oder Stickstoffmonoxid-Donatoren kombiniert werden. Nitrate werden unter anderem bei Angina pectoris eingesetzt. Auch als „Poppers“ bezeichnete Freizeitdrogen können solche Substanzen enthalten. Die Kombination kann einen unvorhersehbaren und gefährlichen Blutdruckabfall verursachen.
Auch die gleichzeitige Verwendung von Riociguat ist kontraindiziert. Bei Alpha-Blockern und anderen Blutdruckmitteln kann eine besondere ärztliche Abstimmung notwendig sein. Eine bestehende Medikation darf nicht eigenmächtig pausiert werden, um ein Potenzmittel einzunehmen.
Wann ist besondere Vorsicht erforderlich?
- bei Brustschmerzen oder instabiler Angina pectoris
- nach einem kürzlich aufgetretenen Herzinfarkt oder Schlaganfall
- bei schwerer Herzschwäche
- bei unkontrollierten Herzrhythmusstörungen
- bei sehr niedrigem oder unkontrolliert hohem Blutdruck
- wenn bereits geringe Belastung Brustschmerzen oder starke Atemnot auslöst
In solchen Situationen muss eine Ärztin oder ein Arzt das Risiko individuell beurteilen. Die genauen Gegenanzeigen unterscheiden sich je nach Wirkstoff und Präparat.
Was tun bei Brustschmerzen nach der Einnahme?
Bei Brustschmerzen, schwerer Atemnot, Ohnmacht oder anderen Zeichen eines medizinischen Notfalls ist sofort der Notruf 112 zu verständigen. Teilen Sie dem medizinischen Personal unbedingt mit, welchen PDE-5-Hemmer Sie wann eingenommen haben. Nehmen Sie nicht eigenständig ein Nitrat gegen die Beschwerden ein.
Lesen Sie auch Wann sollte man mit Erektionsproblemen zum Arzt? sowie die Beiträge zu Sildenafil und Tadalafil.
Quellen und weiterführende Informationen
- EAU Guidelines: Cardiovascular system and erectile dysfunction
- EMA: Sildenafil Product Information
- EMA: Tadalafil Product Information
Redaktioneller Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine individuelle kardiologische oder urologische Beurteilung. Stand: September 2026.
